Aus dem Gemeindebrief

Amazing Grace

Die beeindruckende Geschichte des Liederdichters John Newton, der Sklavenhändler war und durch Gottes Gnade mitentscheidend für die Abschaffung der Sklaverei wurde.

Die wichtigste Botschaft von Weihnachten ist die Liebe oder Gnade Gottes. Gnade heißt auf lateinisch gratia. Daher kommt unser Wort gratis. In seiner Liebe beschenkt uns Gott unendlich reich durch Jesus Christus. Was dieses Geschenk beinhaltet und bewirkt, war in der Weihnachtspredigt am 1. Weihnachtstag über Titus 2, 11-14 zu hören:

„Denn die rettende Gnade Gottes ist offenbar geworden, und sie gilt allen Menschen. Sie bringt uns dazu, dass wir dem Ungehorsam gegen Gott den Abschied geben, den Begierden, die uns umstricken, und dass wir besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben, als Menschen, die auf die beseligende Erfüllung ihrer Hoffnung warten und darauf, dass unser großer Gott und Retter Jesus Christus in seiner Herrlichkeit erscheint. Er hat sein Leben für uns gegeben, um uns von aller Schuld zu befreien und sich so ein reines Volk zu schaffen, das nur ihm gehört und alles daran setzt, das Gute zu tun.“

Von dieser rettenden Gnade erfasst dichtete John Newton 1773 dieses berühmte Lied „Amazing grace“, das fast jeder schon gehört hat.

1725 wurde er in London geboren. Seine Mutter starb, als er 7 Jahre alt war. Obwohl er getauft und christlich erzogen worden war, wollte er später mit Gott und Jesus Christus nichts mehr zu tun haben. Als 18jähriger wurde er zur Marine eingezogen, wechselte dann zu einer Schifffahrtsgesellschaft, die im damals blühenden Sklavenhandel tätig war.

Er lebte die Begierden, von denen Paulus in seinem Brief schreibt, voll aus. Er war brutal und rücksichtslos zu den Afrikanern, die ja einfach gefangen genommen und unter unwürdigen Zuständen als Sklaven nach Nord-, Süd- und Mittelamerika transportiert wurden. Dort mussten sie auf Kaffee- und Baumwollplantagen arbeiten. Das waren insgesamt ca. 10 bis 12 Millionen Menschen in einem Zeitraum von rund 400 Jahren. Die Kolonialmächte, zu denen auch Deutschland gehörte, wurden dadurch wohlhabend.

John Newton verging sich an Sklavinnen, war streitsüchtig, hochnäsig und aufsässig. 1748 geriet sein Schiff auf der Rückfahrt nach England in einen verheerenden Sturm. In der größten Not, in der nahezu keine Chance auf Rettung mehr bestand, wandte er sich an Gott. Er erkannte seine Schuld und seine ewige Verlorenheit. Wie durch ein Wunder wurden sie gerettet. Und er selbst fand bei Jesus Christus die rettende Gnade.

Diese erstaunliche Gnade, wie er später selber schreibt, bewirkte in ihm eine Veränderung so, wie es der Bibeltext schildert. Er fing an besonnen, gerecht und fromm zu leben. Er heiratete seine Jugendliebe Mary Catlett. Seinen Beruf als Kapitän bei der Sklavenschifffahrtsgesellschaft nahm er wieder auf. Doch Gottes Gnade brachte ihn dazu, sich immer mehr vom Sklavenhandel zu distanzieren.

Er wurde Pfarrer und 1764 mit 44 Jahren ordiniert. Ihm wurde immer deutlicher, dass die Sklaverei ein großes Unrecht ist. Als 63jähriger brachte er eine Schrift gegen den Sklavenhandel heraus, die viel Anklang fand. Zusammen mit einem jungen Politiker, Wilberforce, setzte er sich für die Abschaffung der Sklaverei ein. 1807 wurde sie, kurz vor seinem Tod, vom englischen Parlament beschlossen.

Wer im Internet „Amazing grace“ eingibt, kann nicht nur das Lied hören, sondern auch noch mehr über die beeindruckende Geschichte des Verfassers lesen. Gottes rettende Gnade durch Jesus Christus ist heute genauso wirksam und will in unserem Leben alles zum Allerbesten wenden, wo wir sie annehmen und Jesus Christus unser Leben anvertrauen.

Herzlich grüßt
Ihr

Pfr. Johannes Lindner

O Gnade Gottes, wunderbar,
durch dich wurde ich errettet.
Ich war verloren ganz und gar,
war blind, jetzt sehe ich.