Kirche St. Johannis

Kirchenrenovierung und Veränderungen in der Kirche

Schon seit dem Jahr 2013 plant der Kirchenvorstand eine Renovierung der Kirche. Nicht nur die Westfassade braucht dringend einen Neuanstrich, auch die Fenster müssen gestrichen werden, und die obersten Fenster sind durch die aufsteigende Feuchtigkeit teilweise morsch und müssen erneuert werden. Mit dem staatlichen Bauamt waren schon Gespräche geführt und Kostenschätzungen gemacht worden.

Die Frage, ob nicht auch ein barrierefreier Zugang zur Kirche von der Südtüre her geschaffen werden soll, wurde lange bewegt. Die Landeskirche ermutigte uns durch ihre Architekten, weil in Röslau ja nur die Schwelle beseitigt werden muss. Bei größeren Gottesdiensten gibt es immer wieder Rollstuhlfahrer, die so bequem in die Kirche fahren könnten. Bei den Taufen bringen die Eltern ihre Kinder meist im Kinderwagen mit, auch bei Gottesdiensten mit dem Kindergarten. Außerdem kommen zunehmend ältere Gottesdienstbesucher mit Rollatoren. So entschied sich der Kirchenvorstand im letzten Jahr nach Planungsgesprächen mit dem staatlichen Bauamt für den barrierefreien Zugang zur Kirche.

Als nächstes musste das Problem gelöst werden, wo Rollstühle, Kinderwägen oder Rollatoren Platz finden können, denn es müssen ja immer Durch- und Ausgänge als Fluchtwege frei bleiben. Sehr ausführlich wurden verschiedene Möglichkeiten mit dem staatlichen Bauamt und Fachleuten diskutiert:

Die vorderen Bänke auf beiden Seiten zu halbieren oder zu beseitigen war ein Vorschlag; ein anderer, die Querbänke vorne herauszunehmen.

Es gab heftige Diskussionen und eine eigene Sitzung nur zu diesem Thema, weil dem Kirchenvorstand bewusst war, dass eine solche Veränderung die Gemüter sehr bewegen wird.

Aber nach anfänglicher Abwehr gegen die 2. Lösung kam man doch zu der Überzeugung, dass ja nicht nur Platz würde für Rollstühle usw., sondern dass durch eine passende Bestuhlung große Flexibilität für zeitgemäße Gottesdienste und Veranstaltungen geschaffen werden kann. Chöre und Musikgruppen mit modernen Instrumenten haben genug Platz. Kleinere Gottesdienste im Stuhlkreis, z. B. mit dem Kindergarten sind leichter möglich. Und sogar das geplante Kirchencafé kann, so wie in anderen Gemeinden, leichter auch innen durchgeführt werden.

Auf historischen Bildern sahen wir, dass es früher diese Querbänke auch nicht gab und bei jeder Renovierung der Kirchenraum an die Erfordernisse der jeweiligen Zeit angepasst wurde. Kirchliche Sachverständige ermutigten uns ebenso dazu. So entschied sich der Kirchenvorstand im Februar für die Herausnahme der vorderen Seitenbänke, um sie durch eine passende Bestuhlung und Neugestaltung zu ersetzen.

Bei der Vorbereitung für die geplante Kirchenrenovierung wurden erhebliche Mängel in der elektrischen Anlage festgestellt, sodass die Kirchenheizung während der Gottesdienste abgeschaltet werden muss.

Die Herausnahme der vorderen Querbänke wird erst mit Beginn der Renovierungsarbeiten erfolgen - wahrscheinlich im Frühjahr 2020. Das ergab eine Besprechung mit dem staatlichen Bauamt.

 


 

Unsere Kirche lebt

Ein Gebäude lebt dann, wenn es Gebrauchsspuren aufweist oder Veränderungen, die anzeigen, dass es sich die Bewohner darin bequem machen oder aber die Einrichtung dem Bedarf anpassen. Keine Veränderung findet mehr statt in einem Museum oder kurz vor dem Abriss.

Hier soll einmal aufgezeigt werden, was sich an unserer Kirche geändert hat. Bis 1784 hat das Pfarrer Ruckdeschel in seiner Pfarrbeschreibung getan. So wurde das Dach angehoben, um einer zweiten Empore Platz zu machen. Es wurden größere Fenster und Türen ins Mauerwerk gebrochen. Der entscheidende Umbau war 1700, als die Kanzel, die am rechten Chorbogen angebracht war, abgebrochen und auf den Altar gesetzt wurde. Röslau hat so den ältesten durchgehend genutzten Kanzelaltar der Region.

In den nun folgenden Jahrhunderten gab es „Schönheitsoperationen“. Die Logen (2 Waldenfels und die des Pfarrers) verschwanden. Die Gemälde von Radius Vater an den Brüstungen wurden übermalt, die seines Sohnes abgehängt, der Altar wurde vereinfacht und die Figuren der 4 Evangelisten beseitigt. Einen weiteren entscheidenden Umbau erlebte die Orgel. Sie wurde auf die dem Altar gegenüberliegende Empore versetzt, hinter dem Altar war der Platz zu eng für die Chorschüler (außerdem stehen ja in allen Kirchen die Orgeln hinten).

Sibilla von Waldenfels
Bildrechte: Evang.-Luth. Kirchengemeinde Röslau

Dann kam die Renovierung der Kirche 1968. Das Landesamt für Denkmalpflege, die das entscheidende Sagen hatte, nahm die schon genannte Pfarrbeschreibung von Pfarrer Ruckdeschel aus dem Jahre 1784 in die Hand – und die Kirche veränderte sich soweit es nötig war zurück. Der giebelartige Aufbau des Altars verschwand, weil ja die Orgel wieder hinter dem Altar stand. Auch die (beheizbaren) Kirchenbänke wurden erneuert. Sie wurden heller und filigraner. Außerdem wurden die neuen Seitenbänke im Altarraum aufgestellt. Diese Bänke gab es vorher nicht, sie wurden auch nirgends erwähnt. Hier sind die zwei Grabsteine an der Wand (Philipp von Waldenfels und Pfarrer Seitz). Vor einem Grabstein steht in keiner Kirche eine Bank, aber in Röslau. Das ist ja gerade so, als wenn auf dem Friedhof ein Parkplatz angelegt wird.

Sybilla von Waldenfels - die Schwitzende. Zwei Epitaphe befinden sich in unserer Kirche. Der linke Epitaph enthält ein Bildnis des Ehepaars von Waldenfels. Bei bestimmten Wetterlagen schwitzt Sybilla unter ihrer linken Achsel.

Eine weitere Veränderung ergab sich mit dem Taufstein. Der ursprüngliche, der der romanischen Urkirche, war ein Trog aus Granit. Er steht jetzt als Brunnen im Pfarrgarten. Es war bei der Veränderung um 1700 schick, einen Taufengel aufzustellen. Dieser Engel hielt die Schale in den Händen, über der die Kinder getauft wurden. In Marktleuthen ist der Engel noch erhalten. Der Röslauer hatte sehr große Flügel und nahm damit in unserer kleinen Kirche viel Platz weg. Er wurde „verheizt“ und durch einen Tisch ersetzt. 1912 kam dann der jetzige Taufstein in die Kirche. Er stand immer am Rand. Jetzt ist er wieder dort wo er hingehört, vor dem Altar. Dadurch hat unsere Kirche wieder den Dreiklang der Markgrafenkirchen: Taufe – Altar (Abendmahl Segnungen) – Verkündigung mit Wort und Musik, es ist aber auch weniger Platz im Chorraum.

Es bleibt mir noch eine Anmerkung als ehemaliger Kirchenchorleiter. Früher haben wir immer im Turm neben der Orgel gesungen (das war praktisch, weil dann auch der Organist mitsingen konnte). Der Gesang klang für die Gemeinde als ob er aus einer Gießkanne käme. Als der ökumenische Kirchenchor entstand hatten wir da oben keinen Platz mehr, wir singen seitdem im Chorraum vor dem Altar. Dazu muss der Chor jedes Mal wie im Theater auftreten. Vielleicht gibt es einmal eine Lösung für mehr Platz, dass man nicht vor dem Altar stehen muss.

Dieter Hempel

 


 

Die Geschichte der Kirche im Ort

Die Kirche in Röslau trägt das Patrozinium „St. Johannes der Täufer“ (Johannes Baptiste). Welche Anlässe zu der Namensgebung geführt haben, entzieht sich unserer Kenntnis. Die Kirchenpatrone wurden aber nicht willkürlich, sondern nach bestimmten Beziehungen und Absichten gewählt. Für die Wahl war der Erbauer der Kirche, das war meistens der Grundherr, maßgebend.

Eine Vikariatsrechnung des Bistums Regensburg aus dem Jahre 1385, betitelt als „Registrum pro subsidio caritativo“ nennt unter den aufgeführten Pfarreien auch „Röslein“. Damit besitzen wir den ältesten Beleg für das Bestehen der Kirche und die erste urkundliche Nennung des Ortes Röslau überhaupt. Röslau ist auch in späteren Registern des Bistums festgehalten. 1413 war Röslau eine vom Kloster Waldsassen verliehene „Vikarie“. Über die Kirche in Röslau hatte das Kloster Waldassen, wie auch über Wunsiedel, das Patronatsrecht.

Die Markgrafen von Bayreuth-Kulmbach entschieden sich 1528 für die Reformation und damit ging die ganze Markgrafschaft, zu der auch Röslau gehörte, der katholischen Kirche verloren.

1683 Kirchenaußenmauer
Bildrechte: Evang.-Luth. Kirchengemeinde Röslau

Die Kirche war wohl in ihrem Ursprung eine Chorturmkirche aus dem frühen 13. Jahrhundert, die im 15. Jahrhundert nach Westen um einige Meter verlängert worden ist. Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie erhöht, der Turm repariert, Emporen eingebaut und der Altarraum vergrößert. Die Emporen von ca. 1700 bis 1757 im Norden, Westen und Süden, zweigeschossig auf sechs toskanischen Säulen ruhend.
 

Der Kanzelaltar wurde wahrscheinlich 1700 erbaut. Von 1717 bis 1720 sammelte man in der Gemeinde, um den Altar in eine bessere Gestalt zu bringen. Die umfangreichen Arbeiten führte der „Bildschnitzer Knoll“ von Hof aus. Der Altar wurde 1872 purifiziert; 1953 wurde der Kanzelalter renoviert und in den Chorraum zurück versetzt. Eine weitere Renovierung des Altars erfolgte 1999 im Zuge der Generalsanierung der Kirche.

In der Kirche befinden sich zwei Grabsteine. Am südlichen Chorbogen der Grabstein für Johann Heinrich Seitz, 33 Jahre Pfarrer in Oberröslau, am nördlichen Chorbogen der Grabstein für Susanna Sybilla von Waldenfels.

Seit 1953 befinden sich an der unteren Westempore neun Ölgemälde, die anläßlich der Kirchenrestaurierung an der unteren Nordempore, mehrfach überstrichen, aufgefunden und durch die Firma Franz Wiedl, Nürnberg, freigelegt und instand gesetzt wurden. Der Maler war Georg Radius (gest. 01.06.1728 in Oberröslau). Das Deckengemälde im Mittelfeld der Langhausdecke zeigt Christi Himmelfahrt. Der Deckenplafond wurde nach der 1757 vorgenommenen Erhöhung der Kirche von Johann David Radius (geb. 31.05.1704 in Oberröslau, gest. 09.02.1769 in Oberröslau; Sohn des Georg Radius) angebracht. Das Deckengemälde wurde 1999 restauriert.

Die Geschichte unserer Kirche in ausführlicher Form können Sie gern im Pfarramt erwerben (4,00 EUR).