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in Röslau, dem geografischen Mittelpunkt des Fichtelgebirges. Schön, dass Sie sich für unsere Heimat und unsere evangelische Kirchengemeinde interessieren. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Entdecken!

Gottesdienste

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Kurz & gut – die tägliche Dosis Glauben & Kirche

 

Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest! Psalm 31,3

Eine junge Ukrainerin hatte erst geheiratet. Ihr Mann war an der Front. Und ist gefallen. Sie sitzt an seinem Sarg. Sie schreibt sich ihren Kummer, ihre Wut von der Seele: „Ich verfluche diese Faschisten für dich meine Liebe, für unsere ungeborenen Kinder mit dir, für dein gestohlenes Leben und meines. Ich sitze neben einem toten Ehemann. Mit 25 bin ich Witwe. Mein Leben wurde von Nichtmenschen gestohlen. Mein Leben wurde von Russland gestohlen.“

Mich erschüttert das Schicksal der Menschen, die Bilder der zerstörten Häuser, Krankenhäuser, Geburtsstationen, Kindergärten, Schulen. Weil die Bodenoffensive stockt, muss die Zivilbevölkerung daran glauben. Kriegsverbrechen. Menschen zittern vor den Raketen. Menschen, die es geschafft haben zu entkommen, haben Alpträume.

Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest! Viele flehen mit diesen alten Psalmworten oder mit ganz anderen Worten zu Gott.

Von 2009 bis 2012 habe ich als Pastor der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine (DELKU) gearbeitet. Kiew und Odessa kenne ich sehr gut, ich war in Donezk, Charkow, Lemberg und vielen anderen Städten, die früher kaum einer kannte, die jetzt aber in aller Munde sind. In allen diesen Städten habe ich Gesichter von Menschen vor Augen, die ich kenne.

Ein Freund von mir ist Diakon in Odessa. Seine Frau und sein kranker Sohn haben es nach Nürnberg geschafft. Als Mann kann er die Ukraine nicht verlassen. Als Geistlicher bleibt er ganz bewußt vor Ort. Zusammen mit seinem Pastorenkollegen hat er Busse organisiert, um Gemeindemitglieder zur rumänischen Grenze zu bringen. Und er sieht es als seinen Auftrag an, vor Ort bei den Menschen zu bleiben, die nicht fliehen können und wollen. In einer kleinen Küche kochen sie jeden Tag ein warmes Essen, versorgen so v.a. die Alten und Kranken.

Auch an anderen Orten helfen die Pastoren und Gemeinden der DELKU Menschen. Der Martin-Luther-Verein in Bayern (MLV) ist dabei ein starker Partner: Seit langem unterstützt er die Gemeinden in der Ukraine finanziell, und gerade jetzt ist diese Hilfe nötiger denn je.

Was mich erschreckt: Die russisch-orthodoxe Kirche legitimiert den Einmarsch Russlands mit theologischen Argumenten: Die Ukraine müsse vor dem liberalen Westen geschützt werden. Patriarch Kyrill bezeichnet alle Gegner Russlands als „Kräfte des Bösen“, und den Krieg als einen „Kampf, der keine physische, sondern eine metaphysische Bedeutung hat“. Er sieht sich also zusammen mit dem russischen Militär auf einem durch Gott gerechtfertigten Kreuzzug gegen den Westen. Andere Kirchen in Russland schweigen.

Wer Krieg und Leid befürwortet und verbreitet, der widerspricht aber dem Bekenntnis zu Jesus Christus. Wer dazu schweigt ebenso. Solche Gewalt ist durch nichts zu rechtfertigen. Kirchen müssen sich nicht entscheiden, auf welcher Seite sie stehen. Kirchen haben in der Nachfolge Jesu immer auf Seiten der Schwachen, der Entrechteten, der Gebeugten, der Leidenden zu stehen.

Ein Blick auf die orthodoxe Kirche in der Ukraine: Metropolit Epifanie postuliert: „Den Feind zu töten ist keine Sünde“. Auch da muss ich widersprechen: Töten ist immer Sünde. Aber Jesus sagt auch: „Selig sind, die Frieden stiften“. Für den Frieden muss man sich auch aktiv einsetzen. Wenn ich es unterlasse, andere zu schützen, werde ich genauso schuldig. Und manchmal, da muss man dabei zwischen zwei Übeln wählen und wird auch schuldig, weil es einfach nicht den goldenen und bequemen Weg gibt. Das ist das Spannungsfeld, in dem ein Christ leben muss. Und in dem er auf Gottes Gnade angewiesen ist.

Der Krieg in der Ukraine ist mit diesen Fragestellungen auch eine geistliche und theologische Herausforderung. Dazu gehört auch der Umgang mit der Wahrheit in den russischen vom Staat gelenkten Medien. Eine neutrale oder kritische Berichterstattung ist nicht möglich. Fakten werden bis ins Gegenteil verbogen. Quellen, um sich neutral informieren zu können, werden lahmgelegt. Und der Großteil der Menschen glaubt dem, was die Nachrichten des „Pervij Kanal“ verkünden.

Schon von Kindheit an lernen wir: „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“. Und der Psalm 15 fragt: „Herr, wer darf weilen in deinem heiligen Zelt?“, und antwortet: „Wer untadelig lebt und tut, was recht ist, und die Wahrheit redet von Herzen, wer mit seiner Zunge nicht verleumdet, wer seinem Nächsten nichts Arges tut und seinen Nachbarn nicht schmäht“.

Warum ist Putin in die Ukraine einmarschiert? Viel wird darüber diskutiert. Einer meiner Bekannten in der Ukraine ist überzeugt: „Putin hat Angst vor einem „Antirussland“, einem alternativen russischsprachigen Raum, der auf dem grundlegenden Gegenteil seiner tyrannischen Werte beruht: Freiheit, Demokratie und Solidarität.“ Wenn in der Nähe zu Russland russischstämmige Menschen frei und mit mehr Wohlstand leben, könnte das den Machtstrukturen in Russland gefährlich werden. Die sogenannten „westlichen Werte“ sind allerdings Werte, die sich stringent aus der Bibel ableiten lassen und dem biblischen Menschenbild entsprechen!

Es ist Mai geworden. Wir kommen von Karfreitag und Ostern her. Jesus ist seinen Leidensweg gegangen. Er kennt das Leid, und ist allen nahe, die jetzt ihren Passionsweg gehen. Sein Weg ging in den Tod, so wie jetzt gerade der Weg vieler Unschuldiger. An Ostern haben wir aber seinen Sieg über das Dunkel gefeiert. Jesus hat erlebt, dass Gott ein starker Fels, eine feste Burg ist und hilft. Mögen all die Opfer teilhaben an Christi Sieg über Leid und Tod. Beten wir, dass der Weg für die vielen Geflüchteten und die ganze Ukraine möglichst bald wieder vom Dunkel ins Licht führt. Mit Gottes Hilfe!

Wir gehen auf Pfingsten zu. An Pfingsten feiern wir das Kommen des Geistes. Möge der Heilige Geist aller Welt den Frieden, die Wahrheit und die Liebe ins Herz legen. Möge er mitten in unserer Welt wirken!

Auch durch uns. Was wir tun können: Allem voran beten. Und teilen: Viele Hilfsorganisationen tun Gutes für die Ukrainerinnen und Ukrainer, brauchen dazu aber Geld. Und drittens: Selbst vor Ort mit Anpacken. Einige Geflüchtete sind bereits angekommen; und es werden mehr werden. Ich freue mich, wie engagiert und hilfsbereit die Menschen hier sind: Wohnraum wird zur Verfügung gestellt, Kleidung, Möbel, Nahrungsmittel. Wir heißen die Ukrainerinnen und Ukrainer bei uns willkommen.

Möge Gott Frieden schenken und bewahren.

Ihr Pfarrer
Jörg Mahler

Spendenkonto des Martin-Luther-Vereins in Bayern
Stichwort: Nothilfe Ukraine
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