Pfarrkirche St. Johannis

Ein Bilderbuch über die "Schätze" unserer Kirche

Ein großes Inventarisierungsprojekt wurde in Oberfranken nach rund dreijähriger Arbeit nun abgeschlossen: Die Schätze von insgesamt 95 oberfränkischen Markgrafenkirchen wurden in 95 Bänden dokumentiert. Dazu gehört auch unsere Röslauer St.-Johannis-Kirche.

Am 10. November 2022 übergab Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner Vertretern unserer Kirchengemeinde im Rahmen einer Andacht in Marktleuthen das handgebundene Inventarverzeichnis unserer Markgrafenkirche – im Beisein von Regierungsvizepräsident Thomas Engel und unseres Dekans Peter Bauer. Ein weiteres Exemplar erhielt Bürgermeister Thorsten Gebhardt als Vertreter unserer Kommune.

Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner betont: "Diese Bände helfen den Kirchengemeinden, die Schätze ihrer Kirchen zu zeigen, zu schützen und zu nutzen. Die Inventarisierungsergebnisse dienen auch dazu, den Kirchenraum zu deuten und dadurch Glaubensimpulse zu geben. Wir haben einen wahren Reichtum an schönen barocken Markgrafenkirchen in Oberfranken. Er soll seine Wirkung sowohl für die Gemeindeglieder als auch für Gäste entfalten."

Orgel und Kreuz über der Kanzel unserer St.-Johannis-Kirche in Röslau
Bildrechte Ev.-Luth. Kirchengemeinde Röslau

Zum Hintergrund: Seit 2018 inventarisierte ein erfahrenes Team von Kunsthistorikerinnen und Kunsthistorikern unter der fachlichen Leitung von Kirchenrat Helmut Braun, dem Leiter des Referats für Kunst und Inventarisation der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, 95 Markgrafenkirchen und barocke Kirchen im Markgrafenstil. Alle festen und beweglichen Gegenstände dieser 95 Markgrafenkirchen wurden vermessen und dokumentiert: Kirchenraum und Ausstattung, Kanzel und Altar, Altargerät, Bilder und Figuren – Historisches ebenso wie neue Anschaffungen.

Auch gab das lnventarisierungsteam Ratschläge zu Umgang, Erhaltung und falls nötig Restauration der Kunstschätze. Neben der Landeskirche unterstützte vor allem der Kulturfonds Bayern und die Oberfrankenstiftung dieses große Projekt.

Kirchensanierung

Bereits seit einigen Jahren plant der Kirchenvorstand zusammen mit dem Staatlichen Hochbauamt eine Sanierung der Kirche. Nun konnten wir die Planung und Ausführung der Arbeiten ein großes Stück voranbringen.

Auf Grund der Schimmelbildung an verschiedenen Stellen in der Kirche (Wände, Holz) wurde Anfang des Jahres ein bauphysikalisches Gutachten erstellt, um die Ursachen festzustellen.

Drei kleinere Gewerke konnten in diesem Jahr bereits durchgeführt werden:

  • Die drei Eingangstüren wurden überarbeitet und neu gestrichen
  • Im Altarraum wurde der durch die im Mauerwerk aufsteigende Feuchtigkeit nasse Putz hinter den Seitenbänken abgeschlagen und durch einen Salzspeicherputz ersetzt
  • Instandsetzungen im Bereich der Kirchenelektrik (z.B. Austausch der FI-Schalter und von Steckdosen)

Geplant sind folgende weitere Arbeiten, die voraussichtlich im nächsten Jahr angegangen werden:

  • Putzerneuerung an den Innenwänden auf der zweiten Empore. Hier haben sich an der Wand in den letzten Jahren durch von außen eindringende Feuchtigkeit große Schimmelflächen gebildet. In einer Vorabmaßnahme wurde bereits der schadhafte Putz abgeschlagen, damit die Wand austrocknen kann
  • Westfassade: Putzerneuerung/-ausbesserung und neuer Anstrich
  • Südfassade: Instandsetzung und Neuanstrich der unteren hohen Fenster, Austausch der Gaubenfenster
  • Anbringung von Absturzsicherungen bei den Emporenfenstern zur Erfüllung der Sicherheitsvorschriften
  • Professionelle Orgelreinigung mit Ausbau und Reinigung der einzelnen Orgelpfeifen und Beseitigung des Schimmels in der Orgel

Bislang gibt es noch keine Kostenschätzung über das finanzielle Volumen der Gesamtmaßnahme. Einen Teil der Kosten übernimmt der bayerische Staat im Rahmen der staatlichen Baulast an unserer Kirche. Jedoch wird auch unsere Kirchengemeinde nicht unerhebliche finanzielle Mittel aufbringen müssen, so dass wir auf Spenden angewiesen sind. Herzlichen Dank für alle Unterstützung.

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Bildrechte Markgrafenkirchen e.V.

EVANG. KIRCHE ST. JOHANNES

Baugeschichte

1385: Erste urkundliche Erwähnung der Johanneskirche

nach 1528: Wiederaufbau und Erweiterung der Kirche nach einem Brand

1683: Erweiterung der Kirche

1717: Erweiterung der Kirche und barocke Ausstattung

1872: Umgestaltung ("Purifizierung")

1973: Renovierung mit Wiederherstellung der ursprünglichen Gestalt, soweit möglich

Ausstattung

• Kanzelaltar, Werkstatt Knoll (1719, rekonstruiert 1973)

• Doppelemporen mit zwei Adelslogen, Brüstungsbilder von G. Radius, Röslau (1872 übermalt, 1973 freigelegt)

• Stuckdecke (1757/58) mit Himmelfahrt Christi von J. D. Radius, Röslau (1759)

• Orgel (1716; 1969 erneuert, originaler Blasebalg auf dem Dachboden)

• Grabmale: Christoph von Waldenfels und Ehefrau Sibilla, sowie von Pfarrer Johann Heinrich Seitz (beide 17. Jh.)

Foto: David Sünderhauf, © Markgrafenkirchen e.V.Foto: David Sünderhauf, © Markgrafenkirchen e.V.Foto: David Sünderhauf, © Markgrafenkirchen e.V.Foto: David Sünderhauf, © Markgrafenkirchen e.V.Foto: David Sünderhauf, © Markgrafenkirchen e.V.Foto: David Sünderhauf, © Markgrafenkirchen e.V.Foto: David Sünderhauf, © Markgrafenkirchen e.V.Foto: David Sünderhauf, © Markgrafenkirchen e.V.Foto: David Sünderhauf, © Markgrafenkirchen e.V.Foto: David Sünderhauf, © Markgrafenkirchen e.V.Foto: David Sünderhauf, © Markgrafenkirchen e.V.Foto: David Sünderhauf, © Markgrafenkirchen e.V.Foto: David Sünderhauf, © Markgrafenkirchen e.V.Foto: David Sünderhauf, © Markgrafenkirchen e.V.Foto: David Sünderhauf, © Markgrafenkirchen e.V.Foto: David Sünderhauf, © Markgrafenkirchen e.V.Foto: David Sünderhauf, © Markgrafenkirchen e.V.

ST. JOHANNES RÖSLAU | Eine typische Markgrafenkirche

Eine Saalkirche

Der Kanzelaltar steht im Chorbogen und trennt den ehemaligen Chorraum vom Kirchensaal ab - architektonischer Ausdruck des evangelischen Verständnisses von Kirche: Sie ist eine Gemeinschaft, in der vor Gott alle gleich sind.

mit Kanzelaltar

Die Kanzel in der Mitte des Altars weist auf die zentrale Bedeutung der Predigt hin. Gott begegnet den Menschen in seinem Wort. Von allen Plätzen soll man gut hören und sehen können.

und Orgel

Sie hat ihren Platz über dem Kanzelaltar. Auch die Musik in der Kirche dient der Verkündigung. Sie transportiert das Wort in die Tiefe der Seele, vor allem durch die gesungenen Lieder.

Wort und Sakrament

Der Kanzelaltar verbindet die Predigt mit dem Heiligen Abendmahl. Das Bild vom Letzten Mahl Christi mit seinen Jüngern erinnert an die Einsetzung (auch wenn die Kopie des berühmten Abendmahlsbildes da Vincis später entstand).

Auch der Taufstein stammt aus dem 19. Jh., aber er steht - wie vorher der Taufengel - nahe beim Kanzelaltar. Die Verkündigung des Evangeliums und die beiden Sakramente sind nach evangelischem Verständnis die Grundpfeiler der Kirche.

Die Tür zum Himmelreich

Die Inschrift mit dem Vers aus dem Lukasevangelium findet sich in vielen Markgrafenkirchen. Gottes Wort hören und es im Glauben bewahren, ist der Weg zur ewigen Seligkeit. Jesus eröffnet ihn am Kreuz (Die Kreuzigungsgruppe auf dem Altar entstand erst im 20. Jh.).

Das Bild vom Jüngsten Gericht, gemalt vom Röslauer Maler Georg Radius, steht dagegen noch ganz in der mittelalterlichen Tradition.

Der offene Himmel

Der Sohn von Georg Radius, Johann David, schuf das Deckengemälde: die Himmelfahrt Christi. Auch an den Brüstungsbildern des Vaters ist die Szene zu sehen. Dort entschwindet Jesus seinen Jüngern. Hier öffnet sich der Himmel. Christus geht zu seinem Vater, zugleich tröstet er die Jünger: Siehe, ich bin bei euch alle Tage!

Kirchendecken verkörpern oft den Himmel: Nicht nur mit den Gemälden, sondern auch mit dem Stuck. Die Ornamente - hier zurückhaltend verwendet - sollen das Auge erfreuen und die Vorfreude auf den Paradiesesgarten wecken.

Die "wiederhergestellte" Markgrafenkirche

Mit dem Kanzelaltar von 1719 besäße die Kirche ein sehr frühes Exemplar. Doch er wurde erst 1973 wiederhergestellt, aber ohne die Engel und barocken Schmuck wie die gedrehten Säulen. Die wurden im 19. Jh. vernichtet, genauso wie der Taufengel. Er landete im Feuer, angeblich weil der Pfarrer mit seinem Talar oft an den weit ausgespannten Flügeln hängen blieb und Abergläubische den Engel mit Bändchen zierten. Junge Frauen und Kranke sollen ihnen magische Kräfte zugeschrieben haben.

Dass auf dem Gesicht der Freifrau von Waldenfels auf dem wertvollen Grabmal manchmal Topfen wie Tränen zu sehen sind, lässt sich ganz natürlich erklären. Eine Wallfahrt gab es zu der Kirche nie, aber heute steht sie täglich für Besucher offen - als eine soweit wie möglich wiederhergestellte Markgrafenkirche.

Unsere Kirche ist offen. Treten Sie ein!
Bildrechte Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern

Unsere Kirche ist offen. Treten Sie ein!

Ludwigsfelder Straße 4 | 95195 Röslau

geöffnet April - Oktober täglich 8.00 - 18.00 Uhr | November - März täglich 8.00 - 16.00 Uhr

Unser evangelisches Gotteshaus lädt ein zu Stille, Besinnung und Gebet, aber auch zum Schauen und Staunen und zur Beschäftigung mit seiner Geschichte und den Kunstwerken.

Pfarrkirche St. Johannis Röslau
Bildrechte Ev.-Luth. Kirchengemeinde Röslau

Zwölfuhrläuten

Glockengeläut zum Download, 2,13 MB

Der Text zum Zwölfuhrläuten aus Röslau wurde übernommen vom BR Bayerischer Rundfunk (Ursula Naumann)

Der Ort am Oberlauf der Eger hat etwa 2.400 Einwohner. Er entstand Ende der 60er Jahre als freiwillige Zusammenlegung der schon seit dem Mittelalter bestehenden Gemeinden Oberröslau und Unterröslau. In der Folgezeit wurden weitere zehn Orte eingemeindet. Das Wappen übernahm man damals von Oberröslau, ein silbernes Einhorn auf drei stilisierten Berggipfeln, die auf die Lage im Fichtelgebirge hinweisen. Das Einhorn stammt aus dem Wappen der Familie von Waldenfels, die bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hier begütert war.

Jahrhundertelang war Röslau ein durch die Landwirtschaft geprägtes Dorf. Als die Eisenbahn den Ort erreichte, siedelte sich Industrie an, ein Porzellanwerk und eine Drahtfabrik entstanden. Heute ist die Gegend vor allem für Wanderer und Erholungssuchende interessant. Nördlich des Ortes kann man vom Kapfberg aus das ganze Fichtelgebirge überschauen, Zwölfgipfelblick heißt der Aussichtspunkt.

Im Jahr 1528 trat der Ort auf Befehl des Landesherrn, des Markgrafen Georgs des Frommen, gegen den Willen des damaligen Pfarrers zum evangelischen Glauben über. Dabei ist es bis heute geblieben. Die Röslauer Pfarrkirche zeigt als markgräfliche Predigerkirche die Zugehörigkeit zum Protestantismus deutlich: Doppelstöckige, umlaufende Emporen, und über dem Altar die Kanzel und die Orgel.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurden die Kirchenstühle, wie in vielen Gotteshäusern auf dem Land üblich, verkauft oder vermietet. In Röslau aber war dies besonders gut organisiert: Die 253 Männerstühle und die 214 Weiberstühle waren nicht nur durchnumeriert und mit Namensschildern versehen, einige der vorderen und damit besseren waren sogar abschließbar, damit sich kein Unbefugter darauf niederlassen konnte.