Kirche St. Johannis

Markgrafenkirchen entdecken.
Bildrechte: Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern

 

Markgrafenkirche Röslau

Das LEADER-Projekt zu den Markgrafenkirchen nimmt weiter sichtbare Züge an. So ist seit Anfang Februar 2020 eine neue Website online: www.markgrafenkirchen.de. In Berg wurde die Website zum schönen Datum 2.2.20 um 2.22 pm (nachmittags) durch Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner freigeschaltet:

Als erstes fallen auf der neuen Seite die vielen schönen Fotos in den Blick. Fotograf David Sünderhauf aus Glashütten hat wunderbare Außen- und Innenaufnahmen der knapp 60 Projekt-Gemeinden gemacht. Neben diesen Eindrücken finden sich auf der neuen Website aber auch viele hilfreiche Informationen rund um die Kirchengemeinden, dazu ein spannender Wissens- und Lexikonbereich, sowie ausführliche Hinweise, die touristisch interessant sind (Wander-, Rad- und Pilgertouren, Sehenswürdigkeiten in der Nähe, Links zur politischen und Kirchen-Gemeinde, Tourismuszentralen u.v.m.).

Die Seite ist mit englischen und tschechischen Übersetzungen dreisprachig aufgebaut. Weiter bestehen bleibt natürlich die Seite www.markgrafenkirchen-bayern.de, auf der viele weitere Markgrafenkirchen neben denen im LEADER-Projekt zu finden sind.

 

Unsere Kirche lebt

Ein Gebäude lebt dann, wenn es Gebrauchsspuren aufweist oder Veränderungen, die anzeigen, dass es sich die Bewohner darin bequem machen oder aber die Einrichtung dem Bedarf anpassen. Keine Veränderung findet mehr statt in einem Museum oder kurz vor dem Abriss.

Hier soll einmal aufgezeigt werden, was sich an unserer Kirche geändert hat. Bis 1784 hat das Pfarrer Ruckdeschel in seiner Pfarrbeschreibung getan. So wurde das Dach angehoben, um einer zweiten Empore Platz zu machen. Es wurden größere Fenster und Türen ins Mauerwerk gebrochen. Der entscheidende Umbau war 1700, als die Kanzel, die am rechten Chorbogen angebracht war, abgebrochen und auf den Altar gesetzt wurde. Röslau hat so den ältesten durchgehend genutzten Kanzelaltar der Region.

In den nun folgenden Jahrhunderten gab es „Schönheitsoperationen“. Die Logen (2 Waldenfels und die des Pfarrers) verschwanden. Die Gemälde von Radius Vater an den Brüstungen wurden übermalt, die seines Sohnes abgehängt, der Altar wurde vereinfacht und die Figuren der 4 Evangelisten beseitigt. Einen weiteren entscheidenden Umbau erlebte die Orgel. Sie wurde auf die dem Altar gegenüberliegende Empore versetzt, hinter dem Altar war der Platz zu eng für die Chorschüler (außerdem stehen ja in allen Kirchen die Orgeln hinten).

Dann kam die Renovierung der Kirche 1968. Das Landesamt für Denkmalpflege, die das entscheidende Sagen hatte, nahm die schon genannte Pfarrbeschreibung von Pfarrer Ruckdeschel aus dem Jahre 1784 in die Hand – und die Kirche veränderte sich soweit es nötig war zurück. Der giebelartige Aufbau des Altars verschwand, weil ja die Orgel wieder hinter dem Altar stand. Auch die (beheizbaren) Kirchenbänke wurden erneuert. Sie wurden heller und filigraner. Außerdem wurden die neuen Seitenbänke im Altarraum aufgestellt. Diese Bänke gab es vorher nicht, sie wurden auch nirgends erwähnt. Hier sind die zwei Grabsteine an der Wand (Philipp von Waldenfels und Pfarrer Seitz). Vor einem Grabstein steht in keiner Kirche eine Bank, aber in Röslau.

Sybilla von Waldenfels
Bildrechte: David Sünderhauf, © Markgrafenkirchen e.V.

Sybilla von Waldenfels - die Schwitzende. Zwei Epitaphe befinden sich in unserer Kirche. Der linke Epitaph enthält ein Bildnis des Ehepaars von Waldenfels. Bei bestimmten Wetterlagen schwitzt Sybilla unter ihrer linken Achsel.

Eine weitere Veränderung ergab sich mit dem Taufstein. Der ursprüngliche, der der romanischen Urkirche, war ein Trog aus Granit. Er steht jetzt als Brunnen im Pfarrgarten. Es war bei der Veränderung um 1700 schick, einen Taufengel aufzustellen. Dieser Engel hielt die Schale in den Händen, über der die Kinder getauft wurden. In Marktleuthen ist der Engel noch erhalten. Der Röslauer hatte sehr große Flügel und nahm damit in unserer kleinen Kirche viel Platz weg. Er wurde „verheizt“ und durch einen Tisch ersetzt. 1912 kam dann der jetzige Taufstein in die Kirche. Er stand immer am Rand. Jetzt ist er wieder dort wo er hingehört, vor dem Altar. Dadurch hat unsere Kirche wieder den Dreiklang der Markgrafenkirchen: Taufe – Altar (Abendmahl Segnungen) – Verkündigung mit Wort und Musik, es ist aber auch weniger Platz im Chorraum.

Dieter Hempel

 

Die Geschichte der Kirche im Ort

Die Kirche in Röslau trägt das Patrozinium „St. Johannes der Täufer“ (Johannes Baptiste). Welche Anlässe zu der Namensgebung geführt haben, entzieht sich unserer Kenntnis. Die Kirchenpatrone wurden aber nicht willkürlich, sondern nach bestimmten Beziehungen und Absichten gewählt. Für die Wahl war der Erbauer der Kirche, das war meistens der Grundherr, maßgebend.

Eine Vikariatsrechnung des Bistums Regensburg aus dem Jahre 1385, betitelt als „Registrum pro subsidio caritativo“ nennt unter den aufgeführten Pfarreien auch „Röslein“. Damit besitzen wir den ältesten Beleg für das Bestehen der Kirche und die erste urkundliche Nennung des Ortes Röslau überhaupt. Röslau ist auch in späteren Registern des Bistums festgehalten. 1413 war Röslau eine vom Kloster Waldsassen verliehene „Vikarie“. Über die Kirche in Röslau hatte das Kloster Waldassen, wie auch über Wunsiedel, das Patronatsrecht.

Die Markgrafen von Bayreuth-Kulmbach entschieden sich 1528 für die Reformation und damit ging die ganze Markgrafschaft, zu der auch Röslau gehörte, der katholischen Kirche verloren.

1683 Kirchenaußenmauer
Bildrechte: Ev.-Luth. Kirchengemeinde Röslau

Die Kirche war wohl in ihrem Ursprung eine Chorturmkirche aus dem frühen 13. Jahrhundert, die im 15. Jahrhundert nach Westen um einige Meter verlängert worden ist. Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie erhöht, der Turm repariert, Emporen eingebaut und der Altarraum vergrößert. Die Emporen von ca. 1700 bis 1757 im Norden, Westen und Süden, zweigeschossig auf sechs toskanischen Säulen ruhend.

Der Kanzelaltar wurde wahrscheinlich 1700 erbaut. Von 1717 bis 1720 sammelte man in der Gemeinde, um den Altar in eine bessere Gestalt zu bringen. Die umfangreichen Arbeiten führte der „Bildschnitzer Knoll“ von Hof aus. Der Altar wurde 1872 purifiziert; 1953 wurde der Kanzelalter renoviert und in den Chorraum zurück versetzt. Eine weitere Renovierung des Altars erfolgte 1999 im Zuge der Generalsanierung der Kirche.

In der Kirche befinden sich zwei Grabsteine. Am südlichen Chorbogen der Grabstein für Johann Heinrich Seitz, 33 Jahre Pfarrer in Oberröslau, am nördlichen Chorbogen der Grabstein für Susanna Sybilla von Waldenfels.

Seit 1953 befinden sich an der unteren Westempore neun Ölgemälde, die anläßlich der Kirchenrestaurierung an der unteren Nordempore, mehrfach überstrichen, aufgefunden und durch die Firma Franz Wiedl, Nürnberg, freigelegt und instand gesetzt wurden. Der Maler war Georg Radius (gest. 01.06.1728 in Oberröslau). Das Deckengemälde im Mittelfeld der Langhausdecke zeigt Christi Himmelfahrt. Der Deckenplafond wurde nach der 1757 vorgenommenen Erhöhung der Kirche von Johann David Radius (geb. 31.05.1704 in Oberröslau, gest. 09.02.1769 in Oberröslau; Sohn des Georg Radius) angebracht. Das Deckengemälde wurde 1999 restauriert.

Die Geschichte unserer Kirche in ausführlicher Form können Sie gern im Pfarramt erwerben (4,00 EUR).

 

Glockenläuten
Kirchturm
Bildrechte: Ev.-Luth. Kirchengemeinde Röslau

Glockengeläut zum Download, 2,13 MB

Der Text zum Zwölfuhrläuten aus Röslau wurde übernommen von der Website des BR Bayerischer Rundfunk

Der Ort am Oberlauf der Eger hat etwa 2.400 Einwohner. Er entstand Ende der 60er-Jahre als freiwillige Zusammenlegung der schon seit dem Mittelalter bestehenden Gemeinden Oberröslau und Unterröslau. In der Folgezeit wurden weitere zehn Orte eingemeindet. Das Wappen übernahm man damals von Oberröslau, ein silbernes Einhorn auf drei stilisierten Berggipfeln, die auf die Lage im Fichtelgebirge hinweisen. Das Einhorn stammt aus dem Wappen der Familie von Waldenfels, die bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hier begütert war.

Wandern zum Zwölfgipfelblick

Jahrhundertelang war Röslau ein durch die Landwirtschaft geprägtes Dorf. Als die Eisenbahn den Ort erreichte, siedelte sich Industrie an, ein Porzellanwerk und eine Drahtfabrik entstanden. Heute ist die Gegend vor allem für Wanderer und Erholungssuchende interessant. Nördlich des Ortes kann man vom Kapfberg aus das ganze Fichtelgebirge überschauen, Zwölfgipfelblick heißt der Aussichtspunkt.

Im Jahr 1528 trat der Ort auf Befehl des Landesherrn, des Markgrafen Georgs des Frommen, gegen den Willen des damaligen Pfarrers zum evangelischen Glauben über. Dabei ist es bis heute geblieben. Die Röslauer Pfarrkirche zeigt als markgräfliche Predigerkirche die Zugehörigkeit zum Protestantismus deutlich: Doppelstöckige, umlaufende Emporen, und über dem Altar die Kanzel und die Orgel.

Einnahmen durch Kirchenstühle

Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurden die Kirchenstühle, wie in vielen Gotteshäusern auf dem Land üblich, verkauft oder vermietet. In Röslau aber war dies besonders gut organisiert: Die 253 Männerstühle und die 214 Weiberstühle waren nicht nur durchnumeriert und mit Namensschildern versehen, einige der vorderen und damit besseren waren sogar abschließbar, damit sich kein Unbefugter darauf niederlassen konnte.

Ursula Naumann